Vorwort Hauptstadtinszenierungen in Zentralasien Wer von Zentralasien, dem ehemaligen "sowjetischen Orient" hört, denkt zunächst an Städte aus 1001 Nacht: Buchara, Chiwa oder Samarkand. Die zentralasiatische Architektur des 20. Jahrhunderts ist jedoch weitgehend unbekannt. Dabei vollzog sich während der Sowjetzeit so etwas wie eine architektonische Revolution. Zwischen den politischen Vorgaben der Moskauer Fünf-Jahres-Pläne und den kulturellen Wurzeln der Völker Zentralasiens formten sich Städte und Gebäude, an denen sowohl die Utopie der Ingenieure als auch die Sensibilität der Handwerker abzulesen ist. So etwa beschrieb der Schriftsteller Martin Mosebach die usbekische Hauptstadt Taschkent einmal als die »Stadt mit den schönsten Plattenbauten der Welt« . Die vorliegende Dokumentation ist das Ergebnis einer Lehrveranstaltung an der Fakultät VII (Architektur-Gesellschaft-Umwelt) im Sommersemester 2003. Das Seminar hatte den Titel "Hauptstadtinszenierungen in Zentralasien" und thematisierte eine Region, in deren endloser Weite bis heute immer wieder neue Städte geschaffen werden - eine Region, in der der Bau einer neuen Stadt immer auch der Beginn für ein neues Kapitel in der Nationalgeschichte war. Die Studenten untersuchten das Erbe der sozialistischen Architektur ebenso wie die post-sowjetische Phase. Grundlegende Beiträge befassten sich u. a. mit der Typologie der orientalischen Stadt sowie mit dem Ornament als architektonische Dekoration. Ziel des Seminars war eine kritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Architektur und ihrem Beitrag zu einer nationalen Identität Es bot einen Einblick in das Selbstverständnis der noch jungen Staaten und deren Suche nach architektonischer und gesellschaftlicher Identität. Die Analyse und kritische Betrachtung der Hauptstädte stellte den Kein der Lehrveranstaltung dar. Ein Dank gilt allen Teilnehmern des Seminars, die mitunter abenteuerliche Wege beschreiten mussten, um an die spärlich vorhandenen Information zu gelangen. Ein weiterer Dank gilt Prof. Dr. Peter Herrle, der dem Nischenthema "Zentralasien" an seinem Lehrstuhl inzwischen breiten Raum bietet und mir als Lehrbeauftragten die Möglichkeit bot, die Forschungstätigkeffen in dieser Region fortzusetzen. Die Inhalte dieser Dokumentation sind auch im Internet unter www.zentrolosien.net abrufbar. Einige Studenten konnten ihre Texte und Zeichnungen in der russischen Architekturzeitschrift "Projekt Rossija" (www.prorus.ru) im Rahmen einer Ausgabe über die neuen Hauptstädte der GUS-Republiken veröffentlichen. Weitere Publikationen sind in Arbeit, |