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| Central Bank | |
Global City, sowjetische Metropole, zaristische Kolonialstadt
An die Seite der neo-timuridischen Staatsarchitektur tritt das andere Bild des postsowjetischen Taschkent, das Bild der Global City. Die Banktürme der usbekischen Nationalbank, der Zentralbank, die internationalen Hotels, die Verwaltungszentralen der ehemaligen oder noch staatlichen Kombinate - auch sie ragen mit ihren verspiegelten Fassaden aus der Baummasse heraus. Die gleiche Architektur wie in einer chinesischen Sonderwirtschaftszone oder in Säo Paulo. Mitunter tauchen orientalische Zitate auf, Aluminiumkuppeln auf einem verspiegelten Turm, ein Fassadenteil mit Schmuckziegelbändern. Die Selbstdarstellung der globalen Moderne scheint höchst er wünscht zu sein. Eine Doppeleite im Taschkentbuch, das offiziellen Delegationen überreicht wird, feiert ausdrücklich das Facelifting der Stadt. Welche reale ökonomische Lage sich hinter dem Faceliftung verbirgt, kann nur vermutet werden.
Ausländische Firmenvertretungen halten ihre Stellungen aus strategischen Gründen, obwohl die Geschäftstätigkeit durch die nicht konvertierbare Landeswährung darniederliegt.
Eine Ausnahme zu der in staatspolitischer Absicht aufgeblasenen Global City gibt es: die Straße Salyelgox ko'chasi, auch "Broadway" genannt, seit 1998 Fußgängerzone. Hier begegnet man der typischen postsowjetischen Handelswelt und ihren jungen "biznesmenyi": attraktive Schaufenster, Schnellimbissbuden, Bistros, Cafes, Karaoke-Buden, endlose Reihen von Buden, die Raubkopien von Software-Programmen und CDs anbieten, bis hin zu Kinderhorden, die Blumen verkaufen. Ist das Aus druck einer wirklich blühenden Geschäftstätigkeit oder nur ein Potemkinsches Dorf? Eines ist sicher: Der exzessive Raumverbrauch zeigt, dass die Grundstücksbewirtschaftung nichts mit dem Prinzip der Rendite zu tun hat. Sie ist weitgehend in staatlicher Hand. Grund und Boden erscheint als frei verfügbarer kostenloser Rohstoff. Es wäre verfehlt, die riesigen Freiräume zwischen den gebauten Solitären und der Straße als öffentlichen Raum zu bezeichnen. Sie verbannen das öffentliche Leben, statt es anzuziehen. Wenn sie überhaupt be völkert sind, dann durch die Besenbrigaden des städtischen Reinigungspersonals. Die auf wendigen Gestaltungsmuster und ambitionierten Stadtmöblierungen dieser Leerzonen, ihre oft deplatzierten Parkbankreihen, leeren Kinderspielplätze, Haltestellenpavillons, Mäuerchen, Treppen, Gitter, kopieren die Möblierun gen der öffentlichen Räume einer europäischen Stadt. Auch hier fragt es sich, ob der Aufwand überhaupt in einem Verhältnis steht mit der Finanzkraft der Stadt.
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