Taschkent 1930-1989

1865 wird Taschkent russische Kolonialstadt und löst Samarkand als Hauptstadt der usbekischen SSR 1930 ab. Die Stadt besteht zu dieser Zeit aus der orientalischen Altstadt auf der einen Seite des Anchor-Kanals, mit einer kleinteiligen verwinkelten Bebauung, und aus einer russischen Kolonialstadt, die in regelmäßige Quadrate unterteilt ist. Während der Kriegszeit verlagert die Sowjetunion ihre Flugzeugindustrie nach Taschkent, die Stadt gewinnt an Bedeutung und soll jetzt zur Metropole ausgebaut werden.

1938 wird ein Generalbebauungsplan erstellt der die Erweiterung der Neustadt und die Erneuerung der Altstadt vorsieht. Die Altstadt ist schon damals ein Problem für die Regierung. In großen Teilen gibt es bis heute keine Kanalisation. Es gibt kleine Kanäle die sowohl als Trinkwasserquelle und zum Waschen aber auch als Abwasserentsorgung genutzt werden. Die mangelnde Hygiene, die für Löschautos zu engen Strassen und später auch die Erdbebengefährdung der Lehmhäuser sind Argumente der Regierung für einen Abriss. Die Realisation des Bebauungsplans beginnt erst 1956.

1966 verwüstet ein Erdbeben große Teile der Altstadt aber auch der Neustadt, 36.000 Gebäude sind zerstört, 75.000 Familien obdachlos. Der Wiederaufbau an dem sich alle Unionsrepubliken der Sowjetunion beteiligen beginnt sofort. Teile der Altstadt, die noch stehen aber einsturzgefährdet sind, werden abgerissen. Es soll nicht nur die Stadt wiederaufgebaut werden, sie soll noch schöner und größer werden als zuvor, natürlich nach sowjetischem Vorbild.

Chefarchitekt Adilow vor Leninmuseum  
Chefarchitekt Adilow
vor Leninmuseum
 


Der Chefarchitekt Adilow erklärt die neue Architektur so: jeder Architekt kann seine Idee voll verwirklichen, wodurch Formenreichtum entsteht. Die Ensemblewirkung entsteht vor allem durch den einheitlich blaugrünen Farbton mit dem eine kühle frische Oase assoziiert wird. Jede Fassade, besonders die nach Süden, ist mit einem Sonnenschutz ausgestattet. Man richtet sich dabei nach der landesüblichen Bautradition, wie zum Beispiel durchbrochener Stein, Fenster hinter Mauervorsprüngen und andere schattenwerfende Fassadenelemente. Die Plattenbauten sind um Innenhöfe angeordnet, die mit Brunnen ausgestattet wie Mirkooasen funktionieren sollen. Taschkent wird zur Stadt mit den "schönsten Plattenbauten der Welt".

Leninprospekt
Leninprospekt

Da weite Teile der Altstadt zerstört sind, sind die Planer beim Wiederaufbau freier als in den Entwürfen von 1938. Es soll sich wiederholen was in der Neustadt schon entstanden ist. Breite Boulevards auf denen man zu Staatsfeiertagen Paraden abhalten kann als eine Achse und als zweite Achse der Anchor-Kanal, der mit Parkanlagen erweitert werden soll. Schnittpunkt beider Achsen ist der Leninplatz mit dem Lenindenkmal. Vorher standen um den Leninplatz herum nur einstöckige Häuser, jetzt mit dem Leninmuseum, dem Haus des Wissens, dem Regierungsgebäude, der Nawoi Bibliothek und dem Konzertsaal als Rahmen ist die alte Leninstatue zu klein und eine neue wird aufgestellt. Vom Leninplatz führt die Karl-Marx-Straße zum Platz der Revolution mit dem Marx-Denkmal vorbei am Standbild des ersten Präsidenten der UsSSR Achunbajew. Sie soll durch die usbekische Geschichte führen, die so erst mit der sowjetischen Zeit beginnt.

Zahlreiche bis zu 6 Spuren breite (plus Grünstreifen in der Mitte) Boulevards werden so durch die Stadt gezogen, oft müssen Teile der Altstadt dafür weichen. Sie sollen an den wichtigen Gebäuden vorbeiführen, die Punkte der Geschichte der Stadt miteinander verbinden, doch meist sind sie so breit, dass die Stadt als Raum kaum noch wahrnehmbar ist.

1977 wurde in Taschkent die erste U-Bahn Zentralasiens gebaut. Jede Station ist sehr reich verziert, z.B. mit Marmorböden und goldenen Lüstern und ist nach einem Thema gestaltet.

In den Jahren nach 1966 entstehen zahlreiche moderne Bauten die dem Volk gewidmet sind, wie z.B. das Ausstellungsgebäude des usbekischen Künstlerverbands, das Haus des Wissens usw. Wie man am Beispiel des Ausstellungsgebäudes des usbekischen Künstlerverbands sieht, besteht das Gebäude aus Fertigteilen aus Stahlbeton, was typisch für moderne, sowjetische Architektur der 60er und 70er Jahre ist. Das Besondere ist aber, dass man auf der Fassade auch Elemente traditioneller usbekischer Architektur findet, wie das Ornament und den blaugrünen Farbton.

Im Gegensatz zur Altstadt, wo das Wasser knapp ist, werden in der Neustadt die Denkmäler, Plätze und Gebäude mit zahlreichen Wasserspielen inszeniert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Taschkent nach 1930 zu einer typischen sowjetischen Metropole ausgebaut wurde. Trotzdem hat die Stadt durch das Mischen von sowjetischen und usbekischen architektonischen Elementen einen eigenen Charakter.

usbekischer Künstlerverband
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Haus des Wissens

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