Stadt - Quartier - Wohnhaus - Raum Hauptstadtinszenierungen in Zentralasien Es gibt in der Überlieferungen kaum Aussagen, wie die Verkehrswege geplant wurden. Sicherlich nicht in der Art der griechischen oder römischen Kolonialstädte, in denen Verkehrswege noch planerisches Vorrecht besaßen. Innerhalb eines Quartiers (Chitat) ist eine zentrale Planung ausgeschlossen, der öffentliche Straßenraum wird von den Anwohnern mehr und mehr minimiert und zur Restfläche, wie es am Beispiel von Fes bereits beschrieben wurde. Wahrscheinlich gab es Anschlüsse an das Hauptverkehrsnetz, doch die innere Organisation war das Resultat von Absprachen zwischen den einzelnen Familiengruppen. Nur vereinzelt finden sich Angaben zur Festlegung der Straßenbreite, die beispielsweise zur Einhaltung zweier Eselsbreiten mahnten. Diese sollten die allgemeine Tendenz zur Besetzung und Aneignung des "anonymen" öffentlichen Raumes durch private Anlieger einschränken und den Verkehrsfluss aufrechterhalten. Eine Hauptaufgabe der Erschließung war immer die Verkörperung des sozialen Systems. Mittels Tordurchgängen, Schwellen und Sackgassen entwickelte sich ein sozial abgestufter Bewegungsraum, in dem das Wohnhaus einen räumlichen Anspruch auf die Gasse besitzt. Dieses Konzept der Fina ist bezeichnend für das arabische Verständnis von öffentlichem Raum. Die Fina konnte vom Anlieger nach Belieben genutzt werden, nur dufte diese Nutzung, egal ob Sitzbank oder Überbauung, nicht dem Gemeinwesen entgegenstehen und musste gemäß prophetischer Anordnung rein gehalten werden. Der Prophet befasste sich selten mit städtebaulich konkreten Sachverhalten, die überlieferten Aussagen beziehen sich mehr auf soziale Verhaltensweisen, die architektonisch oder stadträumlich interpretiert werden können: Der Prophet sagte: "Vermeide es, auf Durchgangswegen zu sitzen." Darauf sagten einige, dass dies schwierig zu vermeiden sei, weil man sich dort treffe und sich miteinander unterhielte. Darauf der Prophet: "Wenn ihr darauf besteht, so achtet wenigstens auf die Durchgangsrechte." Und auf die Frage, worin diese bestünden: "Vermeide es, Leute anzustarren, verursacht keinen Schaden, grüßt zurück, wenn man euch grüßt, fördert die Ehrhaftigkeit und hindert Schimpf und Schande." |