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| Entwurf Leninbibliothek, Moskau | |
Einfluss seit der russischen Revolution 1917
Nach dem Sieg der Sowjetmacht auf dem Gebiet Mittelasiens wurden neue Grenzen zwischen den Völkern und Gebieten gezogen und neue Nationalrepubliken innerhalb der UdSSR gebildet. Es entstanden neue Werte und eine neue Ideologie zum "Aufbau des Sozialismus in einem Land".
Eine erste zeitlich und inhaltlich abgrenzbare Phase beginnt mit der Oktoberrevolution 1917 und der Formulierung des Programms zum wirtschaftlichen und ideellen Aufbau des Landes nach dem Ersten Weltkrieg und schließt 1931. Neben der Bauhaus- und der Stijl- Bewegung entwickelt sich auch in der jungen Sowjetunion der zwanziger Jahre ein avantgardistischer Konstruktivismus. Einmalig in der Architektur ist hierbei der Versuch eine neue Gesellschaft mit einer neuen Architektur auf sozialer, städtebaulicher, konstruktiver und ästhetischer Ebene zu verbinden. Ende der zwanziger Jahre ist jedoch bereits ein Bruch in der Entwicklung zu spüren, den man heute den politischen Umwälzungen zuschreibt.
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| Leninbibliothek heute |
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Zu Beginn der stalinistischen Ära, also Anfang der dreißiger Jahre, nimmt der Kampf zwischen den Lagern der Modernisten und Klassizisten ein Ende. Direkte Gegenüberstellungen von Modernismus und Klassizismus zusammen mit der totalitären Herrschaft Stalins bewirkten eine Ablehnung des Volkes vom puristischen schlichten Konstruktivismus und eine Rückbesinnung auf den konservativen Baustil. Zu dieser Zeit erlässt das Zentralkomitee der KPdSU eine Reihe von Resolutionen über zukünftige strukturelle Veränderungen in Bezug auf die Gesellschaft, Architektur und Kunst. Die grundlegenden Änderungen, sind natürlich auch in den Bereichen Usbekistans, Tadschikistans und deren Nachbarn zu spüren. Mit der programmatischen Rückwendung zum Herrschaftsanspruch autokratischer Planung, die nun zunehmend von Stalin selbst übernommen oder zumindest kontrolliert wurde, und mit der Hinwendung zum populären Formenrepertoire traditionellen Städtebaus des neunzehnten Jahrhunderts war allen Hoffnungen auf eine sichtbare Entsprechung von sozialistischer Gesellschaftsform und radikal moderner Stadtplanung eine klare Absage erteilt.
Der soziale Realismus sollte zunächst zum einzig möglichen Stil des sozialistischen Staatsgefüges werden. Statt der Auflösung Moskaus in einzelne Trabanten und Wohnbezirke, wie sie kurz zuvor noch Le Corbusier und Ernst May für die Hauptstadt der Sowjetunion geplant hatten, wurden nun nach dem Idealbild einer streng hierarchisch geordneten Stadtstruktur breite Ringstraßen, Magistralen und Plätze mit herrschaftlicher Wohnbebauung angelegt, wobei nun unter Bezug auf das "Erbe der Weltkultur" demonstrativ auf Gestaltungsprinzipien der Renaissance und des Barocks zurückgegriffen wurde.
Gleichermaßen erfolgte die Überformung der seit 1930 usbekischen Hauptstadt Taschkent. Hier ist bereits auf dem Plan von 1890 deutlich die Doppelstadt aus orientalischer Altstadt an der charakteristischen Gabelung zweier Handelsstraßen und der östlich davon mitten in den islamischen Strukturen angelegten zaristischen Kolonialstadt erkennbar. Hier werden starke Gegensätze in Bezug auf die Stadtkultur und das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit aufgezeigt. Die neuen städtebaulichen Thesen beinhalteten neben dem Wiederaufbau, der Instandsetzung und dem Umbau auch den Neubau ganzer Städte.
In den Jahren 1927-1957 wurden 564 Städte neu gegründet, wobei die Organisation diesem rasanten Wachstum nicht mehr gewachsen war.
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| Palast der Sowjets Entwurf |
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Die Ära Chruschtschow, welche an den Tod Stalins anschließt, versucht sich in rasanter Weise den großen Problemen aus den Zerstörungen des 2.Weltkriegs und einer Umstrukturierung der Gesellschaft anzunehmen. Im Dezember 1954 ruft er die maßgeblichen Architekten und Baufunktionäre der Sowjetunion zur "Allunionskonferenz der Bauschaffenden" zusammen, um in aller Öffentlichkeit die Entstalinisierung der Baukultur einzuleiten, indem er den bisher üblichen "Konservatismus in der Architektur" angreift und unter dem Motto "Besser, billiger und schneller bauen!" eine durchgreifende Industrialisierung des Bauwesens fordert. Ab dieser Zeit werden die kostensparende Standardisierung und Typisierung des Bauens vorangetrieben. Die Entstehung weiträumiger Plattenbausiedlungen folgt, wobei Taschkent hierbei eine Vorzeigerolle übernehmen soll, indem man versucht zwischen den riesigen planwirtschaftlichen Siedlungen und der traditionellen Ornamentik zu vermitteln.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versuchen nun die Teilstaaten auf unterschiedlichste Weise, neue eigene Identitäten zu entwickeln. Die postsowjetische Architektur in Taschkent bemüht sich um eine Abwendung von dem sowjetischen Funktionalismus und darum, Demokratie, Tradition und Weltoffenheit der usbekischen Hauptstadt zu verkörpern. Hier lässt der Staat als hauptsächlicher Bauherr solitäre, repräsentative Neubauten in den bisherigen geschlossenen Blöcken der alten Kolonialstadt und den Überresten der orientalischen Altstadt entstehen.
Unter der recht unsensiblen Einbeziehung islamischer Baukunst entwickelt sich ein weitmaschiges Netz aus Freiflächen, breiten Straßen und Gebäuden, die aufgrund der "Nicht- Dichte" nur noch als Landmarks fungieren. Somit ergibt sich in der weiteren Überformung nicht ein urbaner Raum mit seinem verdichteten Verkehr. Problematisch für die Zukunft wird auch der wenig verantwortungsbewusste Umgang mit der alten Substanz und den ökonomischen und ökologischen Problemen sein.
Man kann deutlich erkennen, dass die Typologie der islamischen Welt sich deutlich von der Typologie der sowjetischen Welt abhebt. Während in der orientalischen Welt zusätzlich zur Geschichte auch noch kulturelle und religiöse Gründe die Typologie bestimmen, wird die Typologie der Sowjetunion zu einem großen Teil von der Regierungsebene für repräsentative Zwecke vorgegeben und bestimmt. Das kommt nicht nur durch die ganz unterschiedliche geschichtliche Entwicklung und die Machtverteilung zustande, sondern auch durch andere kulturelle Einflüsse.
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