Stadt - Quartier - Wohnhaus - Raum
Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit innerhalb der Stadt
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| Zellenstruktur | |
Stadt und ihr Räumliches Gefüge
Sieht man von den neu gegründeten Palaststädten ab, so finden sich in den gewachsenen Strukturen, von Marokko bis Indien, ähnliche soziale Bezugssysteme und räumliche Anordnungen. Auch wenn die Stilformen und Materialien von Region zu Region unterschiedliche Ausformungen hatten, bleibt die Grundstruktur vertraut. Diese ist, ebenso wie die muslimische Lebensweise, geprägt von der Unterteilung in öffentliche und private Lebensbereiche. Dabei umfasst die räumliche Umsetzung nicht nur Gebäude, sondern lies auch eine differenzierte Erschließungsstruktur entstehen, welche von der Moschee, dem öffentlichsten Gebäude, bis zur Kammer des Einzelnen führt. Diese Erschließung war die Voraussetzung für ein so hoch verdichtetes Gebilde, in dem die soziale Abgeschlossenheit des Raumes mit der Integration der Einzelteile in Einklang gebracht wurde. Die architektonische Konzeption der islamischen Raumordnung ist die Überführung größerer Räume in immer kleinere, abgeschlossene Bereiche. Diese Kammern, ob nun Quartier, Haus oder Einzelraum lassen sich in umfassendere Zusammenhänge unterschiedlichster Art eingliedern, ohne dabei ihre Intimität zu verlieren. Das heißt, jedes dieser Gefäße behielt die Polarität von Innen und Außen. Und dies vor allem deshalb, weil diese Raumabschlüsse immer zentriert waren und so eigenständig in einem städtebaulichen Komplex existieren konnten. In hohen Mauern, geschlossenen Fassaden, Tordurchgängen und anderen gebauten Differenzierungen spiegelt sich die Trennung der Lebensbereiche deutlich wider.
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| Gasse | ||
Es gibt in der Überlieferungen kaum Aussagen, wie die Verkehrswege geplant wurden. Sicherlich nicht in der Art der griechischen oder römischen Kolonialstädte, in denen Verkehrswege noch planerisches Vorrecht besaßen. Innerhalb eines Quartiers (Chitat) ist eine zentrale Planung ausgeschlossen, der öffentliche Straßenraum wird von den Anwohnern mehr und mehr minimiert und zur Restfläche, wie es am Beispiel von Fes bereits beschrieben wurde. Wahrscheinlich gab es Anschlüsse an das Hauptverkehrsnetz, doch die innere Organisation war das Resultat von Absprachen zwischen den einzelnen Familiengruppen. Nur vereinzelt finden sich Angaben zur Festlegung der Straßenbreite, die beispielsweise zur Einhaltung zweier Eselsbreiten mahnten. Diese sollten die allgemeine Tendenz zur Besetzung und Aneignung des "anonymen" öffentlichen Raumes durch private Anlieger einschränken und den Verkehrsfluss aufrechterhalten.
Eine Hauptaufgabe der Erschließung war immer die Verkörperung des sozialen Systems. Mittels Tordurchgängen, Schwellen und Sackgassen entwickelte sich ein sozial abgestufter Bewegungsraum, in dem das Wohnhaus einen räumlichen Anspruch auf die Gasse besitzt. Dieses Konzept der Fina ist bezeichnend für das arabische Verständnis von öffentlichem Raum. Die Fina konnte vom Anlieger nach Belieben genutzt werden, nur dufte diese Nutzung, egal ob Sitzbank oder Überbauung, nicht dem Gemeinwesen entgegenstehen und musste gemäß prophetischer Anordnung rein gehalten werden.
Der Prophet befasste sich selten mit städtebaulich konkreten Sachverhalten, die überlieferten Aussagen beziehen sich mehr auf soziale Verhaltensweisen, die architektonisch oder stadträumlich interpretiert werden können: Der Prophet sagte: "Vermeide es, auf Durchgangswegen zu sitzen." Darauf sagten einige, dass dies schwierig zu vermeiden sei, weil man sich dort treffe und sich miteinander unterhielte. Darauf der Prophet: "Wenn ihr darauf besteht, so achtet wenigstens auf die Durchgangsrechte." Und auf die Frage, worin diese bestünden: "Vermeide es, Leute anzustarren, verursacht keinen Schaden, grüßt zurück, wenn man euch grüßt, fördert die Ehrhaftigkeit und hindert Schimpf und Schande."
Gebäudetypen
Stiftungs- und Wohlfahrtsbauten:
Markt und Gewerbebauten:
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| Quartier Aleppo | |
Stadtzentrum
Sucht man bei den öffentlichen Bauten nach einer islamischen Charakterisierung, liegt diese meist in den Formen des Umgangs mit dem Raum oder spezifischen ästhetischen Merkmalen, wie es sie nur in der islamischen Welt gibt, wie zum Beispiel dem Ornament.
Die Bauformen selbst haben einen starken Bezug zu vorislamischen Kulturen (römisch-hellenistisch, iranisch), darunter die römische Agora oder christliche Kirchenbauten. Städtebaulich handelt es sich jedoch um eine einzigartige Struktur, in der alle Einzelbauten zum Ganzen kompatibel sind. Ebenso ist das Stadtzentrum selbst Teil dieses Verbandes und wird im Gegensatz zu europäischen Zentren nicht vom Repräsentationswillen der herrschenden Schicht dominiert.
In der Kombination von Religion und Alltag, ohne Eingriff staatlicher Institutionen, sind es die tatsächlichen Lebenszusammenhänge und Gewohnheiten, die die Planung einer Stadt bestimmen. So findet man im Zentrum Moscheen mit den dazugehörigen öffentlichen Bauten und Marktanlagen, jedoch keine großen öffentlichen Plätze, die in Europa das öffentliche Leben bestimmten und entwickelten. Vielmehr ist Öffentlichkeit auf die Orte verteilt, die derer bedürfen, wie Bazare, Karawansereien und Moscheen. Die dort vorhandenen öffentlichen Höfe sind immer Tell ihrer anliegenden Nutzung. Zwischenraum ist nicht bekannt. In einigen Palaststädten gibt es räumliche Puffer zwischen Herrscher und Volk. Diese Plätze (Maidan) dienten auch als Paradeplatze oder Polofelder (Kairo, Isfahan).
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| Quartier | |
Das Quartier bildet eine weitere soziale Einheit und stadträumliche Unterteilung innerhalb der Stadt. Auch wenn diese sich kaum vom teppichartigen Geflecht der Stadt abhebt, handelt es sich dabei um selbst verwaltete Bereiche.
Das Wohnhaus ist, Mauer an Mauer, für die enge bauliche Verschränkung im Quartier verantwortlich. Die jeweiligen Häusergruppen spiegeln die Familien- und Sippenstrukturen wieder. Teilweise sogar von unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit jeweils eigener Moschee und Hamam bewohnt, agiert doch eine Gemeinschaft, die ihre Belange selbst regelt. Auch in städtebaulicher Hinsicht wurden diese selbst organisiert, d. h. Wege bestimmt, Quartierstore errichtet und Durchgänge geschlossen. Aus diesem Grund spielt das nomadische Gesetz, nach dem man von freiem Raum Besitz ergreifen kann, auf Quartiersebene eine wichtige Rolle.
Dem gemäß spielt im Islam das Nachbarschaftsverhältnis eine besondere Rolle. Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, berichtete, dass der Erzengel Gabriel Mohammed in Nachbarschaftsfragen derart zusetzte, dass er schon glaubte, der Engel würde ihm auch noch die Erbfolge unter Nachbarn abfordern. Allerdings finden sich auch ganz konkrete Hinweise zur Nachbarschaft, darunter auch eine Hadithe, die besagt, dass niemand seinem Nachbarn verwehre, einen Tragbalken in seine Außenmauern einzuführen.
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Das Wohnhaus ist, wie oben schon angesprochen, die kleinste Einheit in der arabischen Stadt. Es gibt entsprechend der Ausdehnung des islamischen Reiches viele regionale Ausführungen, die aber ebenso wie die Stadt einer übergreifenden Konzeption folgen. Die am häufigsten modifizierte Variante ist das Hofhaus. Bei diesem Typus legen sich alle relevanten Räume um den zentralen und rechtwinkligen Innenhof. An der Außenmauer entstehen durch diese Geometrisierung des Inneren oft Nebenräume, die das Haus passgenau in die Umgebung einfügen. Somit ist das Gebäude vom Straßenraum unabhängig, da es Licht und Luft aus seinem Inneren beziehen kann. Innerhalb des Hauses setzt sich das differenzierte System von Raumabschlüssen fort. Ähnlich dem Stadtraum wird auch hier darauf geachtet, ruhende Räume von den Zirkulationsflächen abzutrennen. Am Ende der Bewegung liegen meist geschützte Kammern, mit vollen, kaum durchbrochenen Wandflächen. Die Einrichtung ist ganz von der nomadischen und muslimischen Lebensweise erfüllt. Mit Sitzkissen, Matratzen, Teppichen und leicht verschiebbaren Möbeln werden Räume funktional bestimmt und bleiben wandelbar.
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Residenzen und Paläste - Herrschaft und Stadt
"Die unnützeste Sache, die den Reichtum eines Gläubigen verschlingt, ist das Bauen." Auch wenn für den Propheten Mohammed das Bauen keinen besonderen Stellenwert für die Gemeinschaft beinhaltete, so neigten doch nachfolgende Herrscher dazu, sich mit prachtvollen Stiftungsbauten wie Moscheen, Koranschulen, Karawansereien oder Brunnenhäusern in die Geschichte einer Stadt zu schreiben.
Dabei liegt es in der Sache, dass diese sich auch aufwändige Landsitze, Paläste, Zitadellen und Residenzen errichten ließen, die ein abgeschiedenes Leben ermöglichten. Diese schon früh einsetzende Trennung zwischen Mächtigen und Untertanen spiegelt sich im Verhältnis von Palast und Bürgerstadt wider. Da die Herrschaftsstädte im Allgemeinen keine Neugründungen waren, findet man die Palastanlagen meist außerhalb der Stadt, oftmals innerhalb ausschweifender Landgüter.
Die Anfänge einer solchen Entwicklung gab es schon bei den umayadischen Kalifen in Damaskus. Diese besaßen zwar eine Residenz neben der großen Moschee in Damaskus, doch Herrscher und Aristokratie zog es hinaus aus der Hauptstadt in ihre Wüstenschlösser. Mit der Machtübernahme der Abbasiden wanderte die Herrschaft nach Bagdad, der Stadt des Friedens (Madinat al-Salam), die von Kalif al-Mansur gegründet wurde. Dieser leistete sich die besten Bauleute des Landes und errichtete eine absolutistische Palaststadt nach astrologischen Vorkehrungen und einem streng geometrischen Plan. Die kreisförmige Anlage mit einem Durchmesser von 2600 Metern besitzt innerhalb der ersten Befestigungsmauer weitere Schutzmauern mit dazwischen liegenden Gräben. Unterteilt in 45 fächerförmig angeordnete Quartiereinheiten, die den unterschiedlichen Stämmen zugeteilt waren, bot die Stadtanlage den maximalen Schutz für den Kalifen.
Dieser wohnte mittig in einem Palast, von dem die vier Torwege, gesäumt von den Soldatenunterkünften, zu den Toren führten. Diese enthielten im Obergeschoss zum Palast gehörige Audienzsäle, die im Stil des Palastes ausgestattet waren und der ganzen Stadt das Wesen eines erweiterten Herrschaftssitzes gaben. Bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Gründung wurde Bagdad wegen Unruhen unter der Bevölkerung aufgegeben. Samarra, die neue Residenzstadt (836 n. Chr.), entstand 100 Kilometer nordwestlich, entlang des Tigris, und wuchs im Laufe des 9. Jahrhunderts zu einer Metropole von mehreren 100.000 Einwohnern. Nach dem Zerfall des frühen islamischen Reiches wurden befestigte Residenzen an bereits entwickelte Stadtkerne geknüpft.
Paläste treten meist als wehrhafte Anlagen nach außen in Erscheinung, und strahlen so gut wie nie einen totalitären Anspruch aus. Hinter der Festungsmauer befinden sich in einem losen Zusammenhang höfische, häusliche, wirtschaftliche und administrative Komplexe, die ohne streng lineare Raumfolgen mit axialer Ausrichtung aneinander gefügt sind.
Symmetrien und Achsen prägen das Innere der einzelnen Räume statt deren äußeres Erscheinungsbild. So wird ein symmetrisch angelegter Hof selten über die Mittelachse erschlossen, da diese zentrale Position den wichtigsten Wohnräumen vorbehalten ist. Diese Konzeption ist charakteristisch für die islamischen Repräsentationsbauten. Weder irdischer Machtanspruch noch Herrscherkult dominieren die Gestaltung, sondern die Fülle und Schönheit eines paradiesischen Ortes.
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