Bagdad
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Ursprung islamischer Städte

Das vom Propheten gewählte Form der Niederlassung beruht auf der Zuteilung von unbesiedelten Standplätzen (Chitat) an Familiengruppen und ganzen Stämmen, die dann kollektiv für die Nutzung, die innere Unterteilung, die Bebauung und die Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb der gegebenen Grenzen verantwortlich waren.

Diese erstmals in Medina erprobte Methode der kollektiven Urbanisierung diente u. a. der Sesshaftmachung der Beduinenstämme, um eine Konsolidierung und Sicherung der Städte zu erreichen.

Der erste planerische Schritt bestand jeweils aus dem Abstecken des gemeinschaftlichen Versammlungsplatzes, dessen Geviert allen vertretenen Stämmen als Ort für Versammlungen und Beratungen und als Gebetsraum diente. Dieser Platz hatte sowohl eine polit-soziale Funktion, welche der Eingliederung in die Gemeinschaft diente, als auch eine religiöse Bedeutung, da man sich hier zum gemeinsamen Gebet traf. Beides wurde später in Form und Inhalt auf die Moschee übertragen. Interessanterweise wurden diese frühen Niederlassungen nicht nach sakralen oder geometrischen Regeln geplant. Neben einigen praktischen Überlegungen hinsichtlich Schutz und Wasserversorgung gab es keine weiteren Kriterien. Der Muslim besitzt eine durchaus nüchterne Einstellung zu seinem Lebensraum, die im Sinne des Koran keine Materialisierung des Heiligen in göttlich erhöhten, heiligen Orten oder Bauten zulässt. Neben der Neugründung islamischer Städte, wie im Falle von Bagdad (762 n. Chr. durch die Abbasiden) und Kairo (969 n. Chr. durch die Fatimiden) gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten der Stadtentstehung. Eine solche Unterteilung entspricht nicht den alleinigen Wachstumsmustern, da der Urbanisierungsprozess auf unterschiedlichen Faktoren beruht.

Damaskus, Grundriss  
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Im Folgenden sollen allerdings nur die Haupteinflussmaßnahmen auf die Stadtentwicklung dargestellt werden. Bei Städten mit hohen Standortqualitäten beschränkte man sich im Allgemeinen auf die Übernahme und den Umbau bestehender Städte. Bekannte Beispiele hierfür sind die Städte Damaskus und Aleppo, welche schon zu frühislamischer Zeit in Besitz genommen wurden. Anhand des heutigen Planmaterials lässt sich der Umbau der vorgefundenen römisch-hellenistischen Stadtorganisation gut nachvollziehen. Hier zeigt sich, wie sich neben den offiziellen baulichen Veränderungen - beispielsweise der (Um-) Bau der Ummayyaden-Moschee in Damaskus - die langsamen Wandlungen wie im Suq von Alleppo oder der Quartiersstruktur in der Altstadt von Damaskus der Stadt eine vollig neue Struktur verleihen. Das nomadische Besetzungsrecht, das eine Nutzung des öffentlichen Raumes gestattet, kommt hier besonders zum tragen.

Auch beim letzten Typus, dem allmählichen Wachstum ungeplanter Siedlungskerne, hat dieses ungeschriebene Gesetz einen großen Einfluss. Obwohl es sich bei der nord-maghrebinischen Stadt Fes um eine offizielle Stadtgründung aus dem Jahre 800 n. Chr. handelt, kam der eigentliche Wachstumsschub erst mit der Errichtung einer zweiten Residenz auf der anderen Flussseite, welcher von einem Bevölkerungszuzug aus Córdoba und Kairuan begleitet wurde. Deshalb finden sich in Fes auch keine geplanten Strukturen, die das Wachstum der Stadt in voraus bestimmt hätten. Zwischen den beiden Haupttoren (Bab Bu Dschelud, Bab Futuh) gibt es einen verschlungenen Verbindungsstrang, an dem sich die bedeutendsten Gebäude der Stadt befinden: Moscheen, Karawansereien, Koranschulen. Weder Breite noch auffallige Gebäude kennzeichnen diesen Weg, nur starke Benutzung und sein Verlauf durch die ganze Altstadt heben ihn aus dem Gewirr der Straßen hervor. Davon ab führen viele weitere Gassen zu den anderen Stadttoren, die wiederum die anliegenden Gebiete mit Sackgassen anschließen.

Hier lässt sich ganz deutlich erkennen, dass der Bewegungsraum lediglich Restfläche ist. Während die antike Stadtstruktur durch ein Straßennetz organisiert ist, das mit Bebauung gefüllt wird, ist hier in der islamischen Stadt das "wachsende" Hofhaus das eigentlich strukturierende Element, das den Aufbau des zellenartigen Stadtkörpers von Grund auf bestimmt.

Suq, Aleppo
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Aleppo, Detail
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