Koreanische Schönheitsideale

Bsi vor wenigen Jahren galt im traditionell konfunzianisch geprägten Korea, dass der eigene Körper so zu akzeptieren und zu erhalten sei, wie man ihn bei der Geburt bekam. Bereits das Stechen eines Ohrlochs konnte Anlaß zu Familienkrach oder Scheidung geben. Doch mit jeder neuen Generation wuchs der Einfluß westlicher Ideale, besonders was das Aussehen angeht. Eine Schönheitsoperation kommt Umfragen zufolge inzwischen für rund die Hälfte der Südkoreanerinnen und ein Drittel der Südkoreaner in Frage.

Mittlerweile steht Südkorea vor der Bundesrepublik auf Platz 7 der weltweiten Rangliste der Länder mit den meisten Schönheitoperationen. Allerdings sind unter Koreanern andere Korrekturen populär als in den USA oder Europa. Auf Korrekturen wie Brustvergrösserung, Fettabsaugung und Faltenunterspritzung spezialisierte westliche Anbieter müßten ihr Angebot erheblich erweitern, um in Südkorea Erfolg zu haben. Der bei weitem häufigste plastische Eingriff unter Südkoreanern beider Geschlechter ist die Korrektur der Oberlider. Ziel dabei ist die sogenannte "Oushi Yanpi", eine westliche Augenpartie mit Lidfalte. Nasen-, Kinn- und Kieferkorrekturen sind ebenfalls beliebt - mit ihnen soll eine besonders schmale Gesichtsform erreicht werden. Vor allem südkoreanische Frauen lehnen bei sich selbst quadratisch anmutende Gesichtsformen ab.

Die Hauptzeit der Eingriffe liegt in den Semesterferien, denn Augenlidoperationen als Geschenke für bestandene Prüfungen werden immer häufiger. Manche Eltern bescheren ihrem Nachwuchs schon zu Beginn der Pubertät eine Lidfalte, da dies die Chancen bei der Partnersuche steigen lässt. Wie wichtig diese Merkmale Koreanern sind zeigt das Beispiel eines Ehemanns, der sich nach der Geburt seiner Tochter scheiden lasse wollte, weil er sich von seiner Gattin durch deren Schönheits-OPs bezüglich ihrer Gene getäuscht fühlte.

Zeitgenössische koreanische Schönheitsideale werden stark durch nationale Film- und Fernsehdramen (das sog. Korean Drama) und koreanische Popmusik (K-Pop) - beide ihrerseits über die Landsgrenzen hinaus erfolgreiche Produkte - entscheidend mitgeprägt.  Nicht zufällig werben bekannte Artisten wie Bae Yong Joon, Song Hye Kyo und Lee Min Ho durchweg für Marktführer der koreanischen Beauty-Industrie wie The Face Shop, Etude, Laneige, Banila Co oder Skinfood. Kaum eine dieser Marken ist älter als 10 Jahre - dagegen ist ihre Verbreitung geradezu epidemisch, was nicht zuletzt daran liegt, daß koreanische Produkte in den Bereichen Hautpflege, Frisörbedarf und Makeup im Vergleich mit vergleichbaren japanischen und europäischen Angebote merklich günstigere Preise aufweisen.

Laut Umfragen ist der Traummann der koreanischen Frau mindestens 1.75 m gross. Ähnlich wie in Europa ist ausserdem dichtes Kopfhaar wichtig. Dass eine diesbezügliche Aufbesserung schmerzhaft und teuer sein kann ist für viele moderne Koreaner sekundär. Während dies auch vielen westlichen Betrachtern einleuchtetn mag erscheinen die coiffure-technischen Ansprüche koreanischer Damen an sich selbst  eher ungewöhlich: Koreanerinnen trachten nach üppiger Behaarung in der Intimzone, da diese als Zeichen von Fruchtbarkeit gedeutet wird, und lassen sich zu diesem Zweck Kopfhaut dorthin verpflanzen.