Dekoratives Ornament oder ikonographisches Ornament?

Humayun's Mausoleum, Delhi
Humayun's Mausoleum
Delhi

Es existiert auch die Hypothese, dass islamische Kunst im Allgemeinen zwei Welten ausdrückt - die dargestellte Welt und die autonome Welt. Es ist der Künstler, der bei jedem Werk entscheidet, "wieviel" er von jeder Welt ausdrücken möchte. So entstehen überaus dichte, dekorative Werke, die scheinbar ein Eigenleben führen, gelöst von den physischen Umständen ihres Grundes oder Umgebung, so zum Beispiel in Stein, in der Malerei, sowie in/auf Textilien, mit einem stärkeren ikonographischen Gehalt. Die physische Form in der islamischen Kunst tendiert traditionell dazu, zu einem Mittel zu werden, um etwas anderes als sich selbst, auszudrücken.

Architektonische Volumen der Moghulzeit sind spartanisch ausgefallen. Man könnte meinen, es handele sich um eine bloße Addierung einfacher Volumen, Flächen und Linien, anstatt einer komplexen architektonisch-physischen Symbiose wie sie in der westlichen Architektur so oft versucht wurde. In der islamischen Architektur, war das "autonome" Ornament eher das Objekt einer raffinierten Entwicklung, als die physische Form der Architektur. Es entstanden strukturell/architektonisch gesehen zweidimensionale Bauten, die aussahen, als gründeten sie auf den Gesetzen der Zeltkonstruktion. Es ist jedoch eine besondere Qualität der islamischen Kunst im Allgemeinen, dass der flächige, zweidimensionale Charakter der Architektur durch das Ornament zu leben beginnt.

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