Der "Horror vacui"

Das Phänomen des "Horror Vacui" hatte eine bestimmende Wirkung auf islamische Architektur. Der Ausdruck beschreibt die Tendenz eine gegebene Fläche so weitgehend zu ornamentieren, dass der Hintergrund völlig aufgelöst wird. Das Bild der Architektur als die Vermittlung eines dreidimensionalen, haptischen Raumes beginnt zu verschwinden. Dies sieht man deutlich an der blau gekachelten, dicht ornamentierten Außenfassade eines Prunkbaus in Samarkand. Das Ornament und die Flächigkeit treten stärker in Erscheinung, als das architektonische Volumen.

Ein Grund für dieses Phänomen, zumindest im zentralasiatischen Raum, kommt von der timuridischen Gewohnheit eroberte Gebiete zu plündern und mit dem gewonnenen "Kunstgut" die eigene Hauptstadt bzw. die prachtvollen Gebäuden zu verzieren. Das opulente Ornament als der vollkommene Ausdruck von Macht. Die Annahme, dass das Ornament eher ein sehr direkter Ausdruck von allgemeiner "Verschönerung" war und nicht, wie von anderen Forschungen behauptet, ein Mittel zur Ikonographie, wird hier viel Gewicht verliehen.

Fußbodendekoration
Fußbodendekoration
Fassade in Samarkand, Usbekistan
Fassade in Samarkand
Usbekistan

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