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| Diwan-i-khas Fatehpur Sikri |
Die Rolle der Textilien in der islamischen Architektur zwischen Zentralasien und Indien
Textilien wurden als Grundlage für die ornamentalen Tendenzen in der Kunstauffassung des Islams gesehen. Durch das Weben als Technik konnten geometrische Muster, die in der Ästhetik der islamischen Kunst eine wichtige Rolle spielen, besonders effektiv wiedergegeben werden. Auf Textilien konnte eine einmalige Feinheit und Vielfalt in geometrischen Mustern und Farbe erzielt werden, innerhalb einer klar strukturierten, linearen Fläche. Brokattextilien wurden schon früh wegen ihrer Vielzahl an Farben und komplexen Struktur favorisiert. Seidenstoffe aus China waren wohlbekannt, da sie auf dem Landweg nach Europa (Venedig) oft durch Zentralasien, Persien, dem nahen Osten und türkischen Regionen gingen. Die Moghulkaiser in Indien führten später die Spitzenarbeit in weißer Baumwolle ein (aus Lukhnow). Dieselbe Spitzenarbeit auf Textilien beeinflusste die Ornamentik auf behauenen Steinpaneelen der Moghulzeit. Auch das Bedrucken der Textilien mit abstrakten geometrischen Mustern sowie mit Blumen- und Fischmotiven wurde als Mittel zum ornamentalen Bestreben gern verwendet.
Textilien und Architektur haben in der islamischen Gesellschaft einen größeren Einfluss gehabt, als die Malerei, die als Kunstform eher privater und limitierter auftrat.
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| Chihil Sutun Isfahan, Iran |
Zelte
Die Elemente Zelt, Ornament, und Garten waren bei den Timuriden unzertrennlich miteinander verknüpft. Durch ein Leben, das mind. 8 Monate im Jahr durch das Residieren in Zelten bestimmt war, entwickelten sich raffinierte Methoden und Betrachtungsweisen hinsichtlich dieser Wohnart. Zelte waren entweder die vormongolischen Jurten oder seilgehaltene Pavillionkonstruktionen. Auch die Ottomanen kannten das Leben in Zelten, obwohl die Timuriden und Safaviden diese Lebensform sehr verfeinerten.
Interessanterweise hat sich das aristokratische Leben nicht immer in Zelten abgespielt. Die vormongolischen Herrscher waren es gewohnt, in einem großen, aus permanenten Materialien errichteten Palastkomplex zu residieren. Irgendwann im 13. oder 14. Jahrhundert (unter den Timuriden) kam der "Auszug" aus der permanenten Architektur und das nahezu dauerhafte Leben in Zelten. Es entwickelten sich ganze Zeltkomplexe, Hierarchien von Zeltstrukturen, in prachtvollen Gärten errichtet, mit Umfriedungen aus dekoriertem Zeltstoff (kanats), sowie Zelte für verschiedenste Anlässe - Hochzeiten, Krönungen, Geburtstage, Empfänge, Kriegsvorbereitungen, Jagden, religiöse und profane Festlichkeiten u. a. Es entwickelte sich über Jahrhunderte so etwas wie ein "klassischer" architektonischer Kanon für eine architektonische Form, die scheinbar unklassisch war, und nur relativ spät imperial genannt wurde.
Textilien als Ornament - Textilien als Architektur
Der Kreis der obengenannten Entwicklung scheint sich im Indien des 16. Jahrhunderts wieder zu schließen. Der Moghul-Kaiser Akbar, abstammend von den zentralasiatischen Timuriden, ließ Mitte des 16. Jahrhunderts seine Hauptstadt Fatehpur Sikri erbauen. Bei näherer Analyse der Architektur, entdeckt man die Zusammenhänge zur Zeltkultur der Timuriden und der Vormongolen viele Generationen früher. Obgleich die Stadt aus indischem roten Sandstein gebaut ist und man den Einfluss lokaler Bauformen und Ornamentik sieht, ist die gesamte Palastanlage eigentlich eine in Stein ausgeführte Ansammlung timuridischer Zelte! Der Maßstab der Anlage ist der eines privaten timuridischen Gartens (Baghs), nicht der eines massiven Forts; der Maßstab der einzelnen Bauten ist der eines Zeltpavillions, nicht der eines großen zusammenhängenden Steinpalastes. Die Organisation der imperialen Zeltkomplexe imitierend, gibt es einzelne freistehende Pavillions für verschiedene Funktionen des Hofes. Auch die formalen Elemente der einzelnen Bauten deuten auf die "Erinnerung" der zentralasiatischen Zeltkultur hin: der private Audienzpavillion Diwan-i-khas des Kaisers hat grosse, ringsumlaufende Baldachine, die an Planen eines Zeltes erinnern. Die Decke hat eine pavillionartige Krümmung an allen Seiten. Massive Wände wurden selten als solche eingesetzt - sie wurden oft in feinen behauenen Steinpaneelen (jalis) aufgelöst. Eines der Gebäude ist eine Übereinanderschichtung von luftigen zeltartigen Pavillions. Bögen in Arkaden wurden mit feinen halbkreisförmigen Nasen (cusped arches) versehen, die direkt aus der Textilkunst zu kommen scheinen.
Der vermittelte Eindruck der Standhaftigkeit/Stabilität ist vielmehr der einer textilen Zeltkonstruktion und nicht der eines massiven Forts aus Stein. Es fand eine kritische Transformation in Sachen Materialien, Wahrnehmung und makrokultureller Anpassung statt - und das Ornament agierte als vereinendes Element.
Die timuridischen Herrscher wanderten vom Stein zum Textil und vom Textil wieder zum Stein - über Jahrhunderte und über weite geografische Regionen.
An dieser Stelle ist nicht nur die Feststellung interessant, dass Textilien eine so wichtige sozio-kulturelle Schlüsselfunktion gehabt haben, sondern auch die Mobilität des Ornaments.
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| Jali Paneel Fatehpur Sikri |
Die Mobilität des Ornaments
Die Wechselbarkeit der Medien bei gleich bleibenden ornamentalen Ideen ist eine spezifische Qualität islamischer Ästhetik. Ornamente können fließend vom anatolischen Stein in persischen Ziegel übernommen werden, von Textilien in Stuck verwandelt werden, von Keramik in Metall, von Gold in Ton. Auch können architektonische Ornamente in Kunstobjekten übernommen werden und umgekehrt. Um nur ein Beispiel zu nennen, "übersetzen" die Sultaniyya Kuppeln im südlichen Friedhof von Kairo eine zentralasiatische Kuppeldekoration in den Kalkstein von Ägypten.
Es ist eine Vorliebe des Islams im Allgemeinen "alles zu bekleiden" - wortwörtlich und metaphorisch. Im zentralasiatischen, persischen und später indischen Raum wurden Paläste oft von innen so ausgiebig mit Textilien behangen, dass fast schon eine parallele textile Welt im Innern entstand. Diese Tendenz kann man in Miniaturdarstellungen aus Persien und Indien des 16. - 18. Jh. sehr gut nachvollziehen. Türme, Balustraden, Balkone, aber auch kleine Artefakte wurden in ihren eigenen (nicht stofflichen) Materialien so verziert, dass sie textil anmuteten, vor allem Gebäude, die mit farbigem Kachelmosaik ausgestattet waren. Die Minarette am Taj Mahal in Agra (Mitte 17. Jh.) haben Balustraden mit starker formaler Affinität zu Stoffwänden.
Dieser Vorgang ließ sich auch umkehren: Architektonisches Ornament wurde in Textil umgewandelt. Ein Beispiel ist die nasridische Dekoration aus Spanien: Ein Seidenkleid aus dem 14. Jh. erinnert an die Kachelverzierung der Alhambra. In Indien erinnern die fein behauenen Steinpaneele an Spitzenarbeit. Es gab bei den Timuriden im Bagh-i Sabat (Garten) in Yazd bemalte Zelte.
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| Islamischer Garten |
Textilien und der Garten
Vegetale Motive spielten schon immer eine bestimmende Rolle im islamischen Architekturornament. Auch kann den vegetalen Motive in der islamischen Kunst eine bedeutende ikonographische Rolle zugeschrieben werden.
Textilien wurden bei den Timuriden und ihren Vorfahren gern mit der Idee des Gartens verbunden. Das textile Ornament konnte die paradiesische Aspiration des Menschen auf Erden am optimalsten ausdrücken. Die Ausgangsstoffe der Textilien, z.B. Seide, Baumwolle kamen direkt aus der Pflanzenwelt und hatten eine natürliche Affinität zur Idee des Gartens.
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