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| Bab al Mardum | |
Additive Anlagerung von auf sich selbst bezogenen Einzelformen
Wie in Städtebau und Architektur dominiert die Anlagerung von Einzelformen als Strukturprinzip. Jede Zelle wird für sich gestaltet ohne allzu intensiven Bezug auf die Gesamtheit. Der Grundriss von< Moscheen verdeutlicht dieses Prinzip besonders. Einzelzellen gleicher Art werden zwar zu Rastern addiert, werden aber nicht selten für sich gestaltet ohne sich auf benachbarte Räume oder übergeordnete geometrische Prinzipien zu beziehen. Manchmal gewinnt man sogar den Eindruck, dass größtmögliche Vielfalt geradezu angestrebt wurde.
Die al-Bab al-Mardum Moschee in Toledo (um 999/1000) zeigt einen quadratischen Grundriss in neun
Jochen, die allesamt kuppelähnlich überdeckt werden. Die Rippen sind so angeordnet, dass neun
verschiedene Muster auf der Basis von Symmetrien mit vier oder acht Achsen entstehen. Das strenge
Raster, dass den Raum in neun gleiche Quadrate teilt, wird in der Ornamentierung ignoriert und dadurch
gelockert. Auch die hierarchische Aufrissgliederung spiegelt sich in den "Grundrissornamenten" nicht
wieder. Das höhere und damit klar hervorgehobene Zentraljoch ist in der Musterung nicht sonderlich betont. Die Rippen der Kuppeln sind konstruktiv nicht notwendig also reines Ornament.
Die Säulen, die im Zentrum des Gebäudes ein Geviert umgrenzen, tragen vier völlig verschiedene
Kapitelle. Damit wird sogar die Symmetrie gebrochen. Ein gewisses Maß an Individualität in der Gestaltung
der einzelnen Bauglieder stört den Gesamteindruck nicht, belebt vielmehr die strenge Ordnung der
Architektur. Der West- bzw. Mitteleuropäer ist gewohnt alle Einzelteile so aneinanderzufügen, dass alles
genau in übergeordnete Strukturen und Systeme passt. Die islamische Architektur verselbstständigt und
befreit somit die Dekoration aus dem architektonischen Strukturprinzip.
In allen Teilen der islamischen Welt kann diese Ablösung des Ornamentes von der Architektur und damit die Verselbstständigung der Dekoration beobachtet werden.
Bei den Minaretten im Jemen an der al-Bakiriya Moschee San'a 1598, in Usbekistan auf dem Registan-Platz an der Ulugh Beg Madrasa von 1417 in Samarkand und an der Kalyan Moschee von Buchara 1514 oder im iranischen Qom am Schrein des Hadrat-e-Masurmeh (16. Jh.), in Mosul an der Nuri Moschee (Irak 1172) selbst im Chinesischen Turfan an der Amin Moschee von 1778 oder im afghanischen Chazna am Siegesturm (1030) werden ringförmige Ornamentbänder übereinander geschichtet, die unterschiedlichste Musterungen aufweisen können, ohne dass die architektonische Form Anlass dazu bietet.
In der islamischen Baukunst überzieht die dekorative Gestaltung die Architektur, ohne sich wesentlich auf sie zu beziehen. Im Gegenteil, gern benutzt man ornamental - geometrische Ordnungsprinzipien, die in Grundrissen deutlich werden können und den Bau bestimmen. Einzelne Bauteile werden individuell dekoriert. Noch heute erteilt man die Aufträge für Architektur und Dekoration häufig getrennt an verschiedene Fachleute.
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