Hauptstadtinszenierungen in Zentralasien Vorislamische Zeit bis ca. 700 n. Chr.: 6. Jh. v. Chr. beherrschten die Achämeniden (heut. Iran) Zentralasien 329. v. Chr. Herrschaft der Perser beendet durch Alexander den Großen 2. Jh. v. Chr. Perser (Sassaniden) übernehmen die Herrschaft Um 224 n. Chr. Kushan durch die Sassaniden geschlagen 4. Jh. Hunnen greifen Sassanidenreich an und verbreiteten sich über die südrussische Steppe bis nach Mitteleuropa 570 n. Chr. Geburt von Mohammed ab dem 8. Jh. verbreitete sich der Islam in Zentralasien 705 begannen die Araber einen heiligen Krieg gegen die Türken Islamische Architektur von 700 bis 1500 1453 Hagia Sophia durch die Türken nach islamischen Verständnis ergänzt und umgebaut Mitte 19. Jh. bis 1917 1867 erste Generalgouvernements Bau von Eisenbahnstrecken bis 1850 veränderte sich an der islamischen Bauweise wenig 1917 bis 1990 1966 Erdbeben zerstörte Taschkent Architekturströmungen nach 1991 Mitte 19. Jh. bis 1917: Erst gegen Ende der Zarenzeit unter Alexander dem Großen wurde das Gebiet Zentralasien für die Herrscher in Russland interessant. Vor allem diente Zentralasien als Rohstofflieferant (bes. Baumwolle und Agrarprodukte) und als Absatzmarkt für Industrieerzeugnisse, nachdem die bisherigen Rohstoffquellen ausblieben. In der Folgezeit wurde das Khanat Chiwa, das Emirat Buchara und später die übrigen Gebiete Zentralasiens an das Zarenreich angegliedert (1867 erste Generalgouvernements). Daraufhin begann der Bau von Eisenbahnstrecken, welche die Handelsbeziehungen verbesserten. Unter dem Druck Russlands entwickelten sich die Bewirtschaftungsmethoden in den Wüstenregionen weiter. Die Städte wurden größer und es entstanden von Russen bewohnte Neustädte. Die neuen Straßenzüge wurden im Vergleich zu den informell angelegten Altstädten schachbrettartig geplant und gebaut. Die Mehrheit der Bevölkerung blieb jedoch in ihren alten Häusern wohnen. An den schlechten sozialen Verhältnissen änderte die Kolonialisierung nichts. Durch das rein wirtschaftliche Interesse des Zarenreiches entstanden in dieser Zeit zwar neue Bebauungen, jedoch veränderte sich an der islamischen Bauweise bis 1850 wenig. Es entstanden weitere profane Gebäude wie Handelshöfe, Bäder und Karawansereien. Sie sind, verglichen mit dem früheren Baustil, schlichter in der Form und einfacher im Dekor. Die Konstruktion der Kuppeln wurde vielschichtiger, leichter und rationeller. In dieser Zeit wird u.a. die Kuppel des Petersdoms in Rom errichtet (1547). Die typisch islamische Bebauung wird weiterhin geprägt durch Moscheen, Minarette, einer paarweisen Bebauung mit Medresen, die Plätze ausbildet (Modari-Khan 1566-67) sowie der Verknüpfung von Volkstraditionen mit der staatlichen Monumentalbaukunst. In dieser Zeit entstand z.B. die in ihrer Bauart außergewöhnliche Hauptmoschee Dshuma-Metschet in Chiwa, die wie weitere religiöse Gebäude in der historischen Altstadt Itschan-kala neu errichtet wurde. Sie besteht aus einer ohne Schmuckwerk verzierten Ziegelmauer von 55 x 46 m. Im Inneren sieht man eine Flachdecke, die von 212 Holzsäulen gestützt wird, von denen 20 sehr alt sind und mit Schnitzwerk verziert wurden. Vergleicht man die Bautätigkeiten in Zentralasien und Europa bleibt festzustellen, dass sich durch das Festhalten an alten Traditionen und dem islamischen Glauben die Entwicklung von Wirtschaft und Kultur vollkommen anders entwickelt hat, als im expandierenden und liberaler werdenden Europa. Während sich in Zentralasien kein neuer Baustil in den folgenden 4 Jahrhunderte entwickelte, entstand in Europa eine vielschichtige Kultur verschiedener Baustile (z.B. Renaissance, Barock, Klassizismus). Mit Beginn der sowjetischen Revolution endete die Entwicklung der islamischen Architektur abrupt und neue Bauformen entstanden, die sich mit nationalen Traditionen vermischten. Architekturströmungen nach 1991: Die zentralasiatischen Staaten gehen auf unterschiedliche Weise mit ihrer sowjetischen Architekturgeschichte um. Kirgistan bekennt sich klar zu ihrer sowjetischen Vergangenheit und präsentiert sich heute noch auf dem Hauptplatz von Bischkek mit der dominanten Lenin-Statue. Dagegen schlagen Kasachstan und Usbekistan einen anderen politischen und architektonischen Weg ein. Im usbekischen Taschkent wird der Versuch gewagt eine neue islamische Formensprache für repräsentative Neubauten zu formulieren und Kasachstan plant mitten in der Steppe eine neue Regierungsstadt (Astana). Turkmenistan löste sich bis dato nicht von einer totalitären Regimeführung. Daher prägen prunkvolle Gebäuden, dreispurigen Prachtalleen und eine Ansammlung von Luxushotels vor den Toren der Stadt das heutige Stadtbild. Zusammenfassend liegt der Focus heutiger Bauwirtschaft in Zentralasien auf Funktionalität und Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes und weniger auf der kulturellen und sozialen Verantwortung gegenüber der Umwelt. |