Koreanische Games

In kaum einem anderen Land auf der Welt wird so viel und intensiv am Computer gespielt, wie in Korea. Vor allem die Jugendlichen verbringen täglich mehrere Stunden vor dem Computer und beschäftigen sich mit Spielen. So wird eine eigene virtuelle Welt erschaffen, in denen sich die jungen Koreaner Wohlfühlen und den Alltag vergessen. Bekannte Computerspiele wie World of Warcraft oder Ultima bestimmen das Spielgeschehen und lassen die koreanischen Computerspielfans die Zeit und alles andere vergessen. Stars der Computerspielszene kommen aus Korea und lassen sich in ihrer Heimat wie Helden feiern. Zu einem der bekanntesten Idole gehört Ma Jae-yoon, der als Retter des Universums, von seinen Fans gefeiert wird. Bekannt geworden ist Ma Jae-yoon vor allem durch seine Erfolge beim Spielen des Computerspieles „Starcraft“, bei dem er sich schon einige Male als bester Spieler Koreas bewährte.

In Korea hat sich ein wahrer Internetboom entwickelt, was durch den Ausbau eines flächendeckenden Breitbandnetzes ermöglicht wurde. Es gibt in Südkorea etwa 25.000 öffentliche Internetcafes, in denen sich täglich tausende von Jugendlichen treffen, um den Kick beim Kräftemessen in der Welt der Computerspiele zu erleben. Führende Softwarehersteller von Spielsoftware haben ihren Firmensitz in Südkorea. Das Land gehört zu den weltweiten Marktführern und dieser Platz wird Korea selbst von China oder den USA nicht streitig gemacht. Spielen bis zur vollkommenen Erschöpfung, so lautet das Motto einiger Spieler aus Südkorea. Leider gab es dadurch auch schon Todesfälle zu beklagen, denn ein nicht geringer Anteil der koreanischen Bevölkerung gilt als hochgradig computerspielsüchtig. Während in anderen Ländern dieses Verhalten als unakzeptabel angesehen wird, wird in Korea dieser Umstand weitflächig akzeptiert. Computerspiele werden als selbstverständlich angesehen und Live-Wettkämpfe gehören für die koreanische Bevölkerung zum alltäglichen Leben.

Laut Informationen des koreanischen "Game Development and Promotion Institute" belief sich der Gesamtwert des 2008 in Südkorea virtuell gehandelten Spielgeldes auf über 1000 Milliarden Won (ca. 880 Millionen Dollar). Anfang 2010 gestattete das oberste koreanische Gericht in einem aufsehenerregenden Urteil den offiziellen Handel von in Online Spielen erwirtschaftetem Cybergeld gegen harte Währung. Das Gericht erlaubte zwei Spielern des Online Spiels Lineage der koreanischen Firma NCSoft, ihr virtuelles Vermögen der Spielwährung "Aden" andere Spieler zu verkaufen. Das hierzu nötige Startkapital an "Aden" hatten die beiden "Investoren" zuvor im Internet günstig erworben - und somit durch den An- und späteren Verkauf von "Aden" mit 20 Millionen Won (ca. 20.000 Dollar) Gewinn mit dem Spielgeld aus markttechnischer Sicht einen Markup Trade vollzogen. In einem weiteren Urteil wurden Erträge aus derartigen Geschäften mit einer 10%igen Zusatzsteuer belegt. Als ähnlich solide Wertanlage wie Gold gilt Cybergeld in Korea natürlich auch weiterhin nicht - doch Experten und Insider gehen einhellig davon aus, dass die koreanische Onlinegame-Szene sich durch das Urteil wandeln wird, zumal sich, so Yun Sun-hee, Rechtsprofessor an der Hanyang Universität in Seoul, durch die de facto Eröffnung eines "Devisenmarktes" für Spielgeld auch für die Provider von Online Games völlig neue Geschäftsmodelle eröffnen.