Der Masterplan Astana - Städtebau einer Hauptstadt

Wettbewerb zur Masterplanung
Wettbewerb
zur Masterplanung
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Versucht man einen Vergleich der Hauptstadtplanung Astanas mit anderen Beispielen anzustellen, so findet man in der Geschichte kaum Referenzen ähnlicher Grundvoraussetzungen. Es handelt sich bei Astana weder um eine Neugründung einer Hauptstadt/Metropole wie etwa in Brasilia (Brasilien 1956; Niemeyer/Costa), Chandigarh (Indien 1952; Meyer/Novicki/Corbusier), Algeria (Algerien 2001; Bofil); Dhaka (Bangladesh 1962; Khan), noch zieht der Hauptstadtsitz in eine bestehende Großstadt wie es bei Berlin der Fall war. Die Hauptstadtplanung Astana ist vielmehr dem Druck ausgesetzt, eine kleine monofunktionale sowjetische Arbeiterstadt in kurzer Zeit in eine Hauptstadt von besonderem Maßstab und mit dem national und international anerkanntem Reiz einer wirklichen Hauptstadt zu verwandeln.

Nachdem die Sowjetrepublik Kasachstan 1991 die Unabhängigkeit erlangte, folgte 1994 auf Anregung des an der Macht gebliebenen Präsidenten Nurslultan Naserbaev eine Resolution des Parlaments zum Umzug des Hauptstadtsitzes nach Astana (kasachisch: Hauptstadt), damals Akmola. Dieser zu der Zeit 250.000 Einwohner umfassenden Stadt, sollte wieder einmal von außen eine neue Entwicklungslinie aufgesetzt werden. 1830 wurde hier am Ischim-Fluss eine russische Festung als Außenposten zur Sicherung der Handelswege errichtet. Durch die Eisenbahn 1922 entstand ein wichtiger Knotenpunkt, der für das kasachische Zentrum des "Neulandprogrammes" Chruschtschows 1954 geeignet schien. Astana, damals Tselinograd (russ. etwa: jungfräuliches Land), wurde in einfacher Plattenbauweise (überwiegend "Chruschtschowkas") und in betriebszugeordneten Einzelhaussiedlungen zu einer Landwirtschafts- und Industriestadt ausgebaut.

Wie aber kann eine solche Stadt aus einleitend genannten Gründen zu einer Hauptstadt ausgebaut werden und was sind die prägenden Merkmale einer solchen?

Um diese Frage zu beantworten, wurde 1996 ein nationaler und 1998 ein internationaler Wettbewerb zur Masterplanung der neuen Hauptstadt ausgelobt.

Masterplan 2030  
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Aus den Preisträgerentwürfen der kasachischen Ak Orda Gruppe von ´96 und der japanischen Kurokava Architect & Assotiates von ´98, sowie eines parallel eingereichten Konzeptes der Saudi-Bin-Laden-Group von ´99, wurde der Hauptstadtumzug 1998 vorbereitet und seit dem von Kurokava gemeinsam mit der örtlichen Masterplanagentur (GenPlan) ständig aktualisiert.

So sind in der Masterplanung Kurokavas Merkmale erkennbar, die aus der eigenen Interpretation, überwiegend aber aus dem Drängen des Präsidentenstabes, großmaßstäblich und hauptstadtinszenierend sind. Diese Merkmale sind folgende:

Erstens: politisch gewollt ist das Ziel einer Millionen-Stadt oder konkret 800.000 Einwohner bis 2030 - heute 502.000 - das selbst auf Kosten der Entleerung der Landbevölkerung in gesamt Kasachstan streng verfolgt wird. Daraufhin wurde Kurokavas Masterplan mehrere Male um weitere Wohngebiete erweitert. Das Jahr 2030 ist ein nationales Ziel, auf das die meisten Planungen des Landes ausgerichtet sind. Es geht aus einer Veröffentlichung des Präsidenten Naserbaev hervor, in dem er bis zum Jahr 2030 ein blühendes Kasachstan mit verdoppeltem Wohlstand prognostiziert. Wie ein sportlich zu erklimmendes Ziel ist die Zahl beispielsweise in Almaty am Hotel Kazakhstan in etwa hundert Meter Höhe in Leuchtschrift angebracht.

Zweitens: eine weitere Herausforderung war das Schaffen klarer und imposanter städtebaulicher Konstellationen, die selbst aus dem grobmaßstäblichen Masterplan ins Auge stechen sollen. Etwa die Regierungsspange, die Innenstadtachsen, das Ausweisen großflächiger Wohnquartiere und Gewerbeflächen, das lineare Trennen der Nutzungen in Zonen parallel der Gleise und des Ischim-Flusses. Genau diese Klarheit verschaffte dem Wettbewerbsbeitrag Kurokavas einen Vorteil (u.a.) gegenüber beispielsweise europäischen Beiträgen, die mit kleinteiligen Einheiten den Wunsch nach einem großen Wurf nicht befriedigten.

Gebäude der KasakhOl und KasTransOil
Gebäude der KasakhOl
und KasTransOil
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Drittens: die ingenieurliche Erklimmung neuer Ufer - also die immense Bebauung des sumpfigen Terrains südlich des Ischim-Flusses ("linkes Ufer"), oder das aufwändige Begradigen und Aufstauen des Flusses selbst, ist Zeichen einer Hauptstadtmonumentalität.

Viertens: der großmaßstäbliche Ausbau der Infrastruktur, etwa der Autobahnring, breite Hauptstrassen mit hoher Randbebauung, der Großflughafen, der Güterumschlagplatz nördlich der heutigen Gleistrasse und die geplante Einführung eines S-Bahn Systems.

Fünftens: der großmaßstäbliche Ausbau der Freizeitangebote wie das Großkino, das Aquadom, die Sportarenen, das viele Hunderte Meter weit überdachte Freizeitareal in der geplanten Novy Gorod, u.a.

Sechstens: die Inszenierung imposanter Architektur an den Verkehrsknotenpunkten und zentralen Orten:

In der Novy Gorod entsteht ein bebautes Band, das in seiner geplanten Dimension mehrfach erweitert wurde, auf ca. 800m x 8km (!). Wie in Dhaka, Algeria, Berlin und bereits in barocken Stadtgründungen und -ausbauten siedeln sich in dieser Spange wichtige Hauptstadtfunktionen an. Anders als in Berlin werden hier die Regierungseinrichtungen vom Präsidenten und den großen Ölfirmen KazakhOil und KazTransOil gesäumt. Letztere bilden an der Kreuzung der Spange (westlich) mit der Flughafenstraße, gemeinsam mit dem 35- geschossigen und 156 m hohen Hochhaus u.a. des Ministeriums für Transport und Kommunikation (MinTransKom), ein beeindruckendes Rondell in einem postmodernen Zuckerbäckerstil, wie er auch beispielsweise in Moskauer Großprojekten zu finden ist. In der Mitte der Spange befindet sich der Aussichts- und Funkturm Baitirek, der jedoch nur geladenen Gästen Eintritt gewährt. Dieser ist gerahmt von einem zweiflügeligen Verteidigungsministerium und der neuen Nationalbibliothek.

Regierungs- u. Verwaltungsspange
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