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| Neutralitätsplatz | |
Inszenierung von Macht und Zukunftsvisionen seit 1991
Seit der Unabhängigkeit Turkmenistans ist der Präsident Sapamurat Nijasov im Amt. Er hält praktisch alle legislative und exekutive Macht in seinen Händen und wurde kürzlich auf Lebenszeit zum Präsidenten gewählt.
Auf diese Weise hat ein absolutistisches System das andere abgelöst, das nun sich selbst und seine Ansprüche inszeniert. Diese Inszenierung geschieht vorwiegend durch bauliche Tätigkeit und lässt sich darum an den Städten, vor allem natürlich an Ashgabat ablesen. Die Hauptstadt verändert sich dabei rasend schnell. Die Stadtplanung liegt im persönlichen Interesse des Präsidenten und wird von ihm beaufsichtigt, neue Gebäude werden von ihm eingeweiht. Eine private Bauwirtschaft existiert nicht, alle Aktivität gehen von Staat aus, der gegebenenfalls ausländische Unternehmen beauftragt. Nijasov lässt sich von der französische Firma Bouygues ein neues Regierungsviertel bauen, neben dem Präsidentenpalast und einem Kongresszentrum weitere Gebäude, die sich um den Neutralitätsplatz anordnen. Kennzeichen des Ensembles sind zahlreiche goldenen oder türkisblaue Kuppeln, edle Fassadenmaterialien vorwiegend aus weissem Marmor. Die Inneneinrichtung ist mit Tapeten und Teppichen mit orientalischen Mustern reich ausgestattet. Die öffentlichen Räume sind überall mit italienischem, weissen Marmor ausgestattet und aufwendig mit Brunnenanlagen und gepflegten Grünflächen - geometrisch und ohne Blumen - inszeniert und werden nachts illuminiert.
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| Parteiarchiv | ||
Es werden bei der Hauptstadtinszenierung mehrere Ziele verfolgt. Zum einen geht es um einen Persönlichkeitskult und eine Machtdemonstration des Präsidenten. Nijasov, der sich Turkmenbashi, Führer aller Turkmenen, nennen lässt, ist überall im Stadtraum präsent. Sein Portrait hängt über jedem Gebäudeeingang, vom Parlament bis zu den Plattenbauten. Jeder öffentliche Platz ist darüber hinaus mit einer goldenen Statue des Autokraten besetzt, meist mit großen Brunnenanlagen verbunden ( z. B. auf dem Unabhängigkeitsplatz). Den Aussichtsturm auf dem Platz der Neutralität krönt eine dieser Figuren, die sich mit weit ausgebreiteten Armen am Tag einmal um sich selbst dreht. Die Anlage der Stadt zeigt den gleichen Herrschaftsanspruch wie diese allumfassende Geste. In ihrer Mitte wurden Anfang der neunziger Jahre weiträumig Wohnplattenbauten abgerissen um dort den neuen Präsidentenpalast bauen zu können, der nun das neue Zentrum bildet. Entlang der Straßenachse, die hinaus in die Berge und zum Sommersitz des Präsidenten führt, entsteht ein neues Quartier aus Luxuswohnungen und Hotels, so dass man an monarchische Stadtgrundrisse erinnert wird, in denen diese Achse eine besondere Betonung erfuhr.
Ein weiteres Ziel der Hauptstadtinszenierung liegt darin, das turkmenisches Nationalbewusstsein zu stärken. In dem neuen Staat, der bislang entweder durch Stammeszugehörigkeiten oder durch russische Fremdherrschaft bestimmt wurde, mangelt es heute an nationaler Identität. Um diese herzustellen werden Bilder einer 5.000 Jahre alten Kultur heraufbeschworen, deren bauliche Überreste aus ein paar Wehrmauern bestehen. Um einen nationalen Baustil zu entwickeln und die Kontinuität eines solchen vorzutäuschen, muss auf andere Traditionen zurückgegriffen werden. So bedient man sich der Ornamentik der Teppichknüpftraditionen oder importiert Bauelemente, Bögen, Kuppeln und Säulen, aus anderen islamischen Kulturen, um die neuen Gebäude damit zu dekorieren.
Neben dem Rückgriff auf längst vergangene Kulturen sollen auch Zukunftsvisionen ein nationales Bewusstsein erzeugen. Das an Öl- und Gasvorkommen reiche Land hat sich die arabischen Ölstaaten wie Kuwait und Dubai zum Vorbild genommen und hofft deren Entwicklung nachzuahmen. Noch ist die Realität weit entfernt davon. Die Wirtschaft, komplett in staatlicher Hand, liegt brach. Armut, Arbeitslosigkeit und geringe Lebensstandards bestimmen das Leben. Die rege Bautätigkeit soll wirtschaftlichen Aufschwung demonstrieren und über den Stillstand hinwegtäuschen. Ziel ist es, Ashgabat in eine internationale Metropole zu verwandeln, mit Luxuswohnungen, Bürokomplexen und Hotels. So richten sich die Maßnahmen nicht an die Bevölkerung der Stadt, sondern an ein imaginäres, internationales und wohlhabendes Publikum. Die derzeitige Inszenierung unterscheidet sich in ihrer Überdimensionierung und ihrer Machtdarstellung nicht von der in sowjetischer Zeit.
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